Projektdetails

BML101696
24.04.2023
08.07.2024
beendet
Ein Virtueller Zaun für Ziegen – Bewertung physiologischer Parameter und des Verhaltens als Indikatoren des Tierwohls bei Nutzung eines virtuellen Zaunsystems
-
38.163,00
Programm für Forschung und Entwicklung im BML
nein

beteiligte Personen/Organisationen

RolleLfnrName
Auftraggeber1Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft
Auftragnehmer1Forschungsverein Venn - Verein zur Förderung des Virtual Fencing in Tirol und im Alpenraum

zugeordnete Wissenschaftszweige

Wissenschaftszweige
Tierzucht, Tierproduktion

Abstract deutsch

Virtuelles Zäunen (vf) ist eine GPS-gestützte Zauntechnologie, die den visuellen Hinweis eines physischen Zauns durch ein akustisches Signal und einen optionalen elektrischen Impuls ersetzt und so die Beweidung von Nutztieren in Gebieten ermöglichen soll, die umweltsensibel, geschützt oder schwer zugänglich sind. Bisher konzentrierten sich Forschung und Handel vor allem auf Rinder, doch das norwegische System ​„Nofence“ ist auch für Schafe und Ziegen erhältlich und wird bereits in der Praxis eingesetzt. In dieser Pilotstudie wurden zwei Gruppen von 10 erwachsenen ​„Blobe“-Ziegen, die Nofence-Halsbänder trugen (mit ihren nicht besenderten Kitzen) nacheinander auf vf trainiert. In den ersten beiden Tagen (Phase 1) des 12-Tage-Plans war die vf-Linie durch einen physischen Zaun markiert, der nach und nach entfernt wurde. Am achten Tag wurde die vf-Grenze verschoben, um die zugängliche Weidefläche zu vergrößern. Die Auswertung der akustischen Signale und elektrischen Impulse ergab eine höhere Anzahl akustischer Signale, was darauf hindeutet, dass Ziegen z.T. bereits auf das akustische Signal reagierten und den elektrischen Impuls vermieden. Nach dem Verschieben der Zaunlinie nahm die Anzahl der akustischen und elektrischen Signale zu, während die Ziegen die neue Grenze erkundeten und testeten. Alle Ziegen mit Nofence Halsbändern verblieben jedoch – bis auf zwei Ausnahmen — innerhalb des virtuellen Zaunes, es kam zu keinem vom System registrierten Ausbruch. Der Anstieg der Success-Ratio weist auf einen Lernprozess der Tiere hin, was den Angaben zu Versuchen mit Schafen und Rindern entspricht. Die ersten Ergebnisse der HF-Messungen ergaben deutliche Effekte des elektrischen Impulses auf die Herzfrequenz und die Regelmäßigkeit des Pulses. Die Auswertung der Grundverhaltensweisen der Ziegen durch Intervallbeobachtung ergab keine klaren, gerichteten Unterschiede. Die Messung der Cortisolmetaboliten im Kot als Stressindikator und die Gewichtszunahme während der Versuchszeit ergaben vergleichbare Ergebnisse bei den jeweiligen vf und pf Gruppen. Anhand der FCM konnte kein eindeutig negativer Effekt des vf-Systems nachgewiesen werden, was sich mit der Literatur deckt. Insgesamt kann diese Studie als Basis für weitere Studien mit virtuell gezäunten Ziegen dienen. Weiterentwickelte Versuchsdesigns mit erhöhtem Kontakt der Tiere mit dem virtuellen Zaun können helfen, mehr Erkenntnisse über das Potential der vf-Technologie als Weidemanagement-Tool für Ziegen zu gewinnen.

Abstract englisch

Virtual fencing (vf) is a GPS-enabled fencing technology that replaces the visual cue of a physical fence with an acoustic signal and an optional electric pulse and therefore allows the grazing of livestock in areas that are environmentally sensitive, protected, or difficult to access. So far, research and commercial trade have concentrated mainly on cattle, but the Norwegian system ​‘Nofence’ is also available for sheep and goats. In this study, two groups of 10 adult ​‘Blobe’ goats wearing Nofence-collars with offspring were successively trained to vf. In the first two days of the 12-day schedule, the vf line was marked by a physical fence, which was gradually removed. On day eight, the vf line was shifted to enlarge the accessible grazing area. An evaluation of acoustic signals and electric pulses showed a higher number of acoustic signals than electric pulses, which implies that goats were responding to the acoustic signal alone, thus avoiding the electric pulse. After shifting the fence line, the number of acoustic signals and electric pulses increased as the goats explored and tested the new boundary. All goats with Nofence-collars – with two exceptions – remained within the virtual fence and no escape registered by the system occurred. The increase in the success ratio indicates that the animals are learning, which corresponds to the data from experiments with sheep and cattle. The first results of the HF measurements showed clear effects of the electrical impulse on the heart rate and the regularity of the pulse. The evaluation of the goats’ basic behaviors through interval observation did not reveal any clear, directed differences. The measurement of cortisol metabolites in the feces as a stress indicator and the weight gain during the experimental period gave comparable results in the respective vf and pf groups. Using the FCM, no clear negative effect of the vf system could be demonstrated, which is consistent with the literature. Overall, this study can serve as a basis for further studies with virtually fenced goats. Further developed experimental designs with increased animal contact with the virtual fence can help to gain more insight into the potential of vf technology as a pasture management tool for goats.