Projektdetails

BML101692
18.02.2022
16.10.2025
beendet
Züchterische Nutzung physiologischer Unterschiede und Vermehrung maßgebender Genotypen der Kornelkirsche im Pielachtal, Triestingtal und Gölsental als Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel
-
301.250,00
Programm für Forschung und Entwicklung im BML
nein

beteiligte Personen/Organisationen

RolleLfnrName
Auftraggeber1Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (bis 31.03.2025)
Auftraggeber2Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Auftragnehmer1Universität für Bodenkultur Wien (BOKU)

zugeordnete Wissenschaftszweige

Wissenschaftszweige
LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZ

Abstract deutsch

Die Gattung Cornus (Cornaceae), zu der 77 holzige Pflanzenarten zählen, ist überwiegend für Zierzwecke bekannt. Cornus mas L. (Kornelkirsche) bildet zusammen mit C. officinalis eine Ausnahme, da ihre Früchte sowohl kulinarisch als auch medizinisch genutzt werden. Die oliven- bis birnenförmigen Steinfrüchte variieren farblich von Dunkelrot bis Gelb und waren bereits in der Eisenzeit bedeutender Bestandteil der Ernährung in Mitteleuropa. Archäologische Funde belegen ihre Rolle als Nahrungs- und Öllieferant, teils auch im rituellen Kontext. In Niederösterreich gilt C. mas als heimisch, mit einem Diversitätszentrum in der Flyschzone zwischen Klosterneuburg und Amstetten sowie am Rand des Wiener Beckens. Dort finden sich Vorkommen mit unterschiedlich gefärbten Früchten. In den Tälern Pielach, Gölsen und Triesting, wo die Pflanze als ​„Dirndl“ bekannt ist, bestehen zahlreiche Maßnahmen zur Erhaltung und Charakterisierung der genetischen Vielfalt – insbesondere im Hinblick auf klimatische Veränderungen. Züchtung bei C. mas gestaltet sich aufgrund ihrer Langlebigkeit und des langsamen Wachstums als herausfordernd. Ein methodisches Instrument zur Auswahl geeigneter Kreuzungspartner sowie ein Referenzgenom wurden entwickelt, um adaptive Merkmale molekular zu erfassen. Damit soll das langfristige Anpassungspotenzial dieser Art gesichert werden. Parallel dazu sind phytosanitäre Maßnahmen erforderlich, um dem erhöhten Risiko durch Viren und Phytoplasmen im Zuge verstärkter Anpflanzung zu begegnen. Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zur regionalen Entwicklung, zur Erhaltung agrarischer Biodiversität und zur Förderung nachhaltiger Nutzung dieser landschaftsprägenden Art. Neben ihrer Bedeutung für Klimaanpassung bietet die Kornelkirsche Potenzial für neue Produkte und die Stärkung des naturnahen Tourismus in betroffenen Regionen.

Abstract englisch

Cornus mas L. (Cornelian cherry), along with C. officinalis, is among the few species cultivated for the organoleptic and medicinal properties of its fruits. These drupe-like fruits, varying in shape from olive-like to pear-shaped, display a color spectrum from deep red to yellow and have been part of the human diet in Central Europe since the Iron Age. Archaeological findings document its dual role as a food and oil source, occasionally with ritual significance. In Lower Austria, C. mas is considered native, with its main diversity center located in the flysch zone between Klosterneuburg and Amstetten, and at the eastern edge of the Vienna Basin. Populations with black-violet, red, yellow, and white fruits are found here. In the valleys of the Pielach, Gölsen, and Triesting rivers — where the plant is locally known as ​“Dirndl” — various measures are being implemented to conserve and characterize its genetic diversity, especially in response to climate change. Due to its long lifespan and slow growth, breeding C. mas is time-consuming. A methodological tool was developed to facilitate the selection of suitable crossing partners, and a reference genome was established to identify traits associated with phenotypes relevant for adaptation and resilience. These tools support the long-term preservation of the species’ adaptive potential under changing ecological conditions. In parallel, phytosanitary measures are required to address the increased risk of viral and phytoplasma infections associated with expanded cultivation. The project’s results aim to promote regional development, strengthen agricultural biodiversity, and support the sustainable use of this characteristic landscape species. In addition to its role in climate adaptation, C. mas offers potential for product innovation and supports the growing nature-based tourism in the region and surrounding areas.